Von Rosen, Tulpen und Narzissen
Als sich 2011 die Grundsteinlegung des Klosters Handrup zum 90. Mal näherte, war das uns Anlass genug, erstmalig in der Öffentlichkeit mit einem eigenen Programm aufzutreten. Was lag da näher, als ein Konzert aus Liedern der 20er Jahre zusammenzustellen? Mit dem Titel „Von Rosen, Tulpen und Narzissen“ war es unser Anliegen, auf kurzweilige und gelegentlich nachdenkliche Weise in diese Zeit zurückzublicken und einen bunten Blumenstrauß aus Bildern, Worten und Tönen zu binden.
Denkt man an die „Goldenen Zwanziger“, dann liegt der Fokus wohl zunächst auf Berlin mit seiner neuen Mode, Literatur und Musik, mit aufkommenden Automobilen und anderen technischen Möglichkeiten.
Und Handrup? Lärm und Musik der großen Welt wurden hier wohl nur sehr verhalten wahrgenommen – wie durch das Knistern und Rauschen der ersten Schallplatten hindurch.
Also standen für uns v. a. Lieder der Comedian Harmonists – denen wir uns immer noch auf gewisse Art verpflichtet fühlen –, im Vordergrund. Dazu gehörten beispielsweise „Mein kleiner grüner Kaktus“, „Ich wollt, ich wär ein Huhn“ oder die „Schöne Isabella von Kastilien“, oder der Klassiker „Ein Freund, ein guter Freund“ aus dem Film „Die Drei von der Tankstelle“; dazu aber auch Operettenmelodien, wie das melancholische „Wolgalied“ aus Lehárs „Der Zarewitsch“ oder das munter-freche Duett „Ich bin der Prodekan“ aus Zellers „Vogelhändler“: Die Professoren Süffle und Würmchen, die sich „unanimiter“ als harte Prüfungskommissäre gerieren und nur dann Gnade walten lassen, „wenn er Protektionen hat, der Kandidat: Da schweig ich fein, das trägt was ein“.
Schauspielerischer Höhepunkt des Abends war sicherlich „Der Überzieher“, ein Couplet des humoristisch volkstümlichen, unvergessenen Otto Reutter aus dem Jahr 1925, später oftmals nachgesungen (u. a. von Peter Frankenfeld und Reinhard Mey). Hier aber stimmlich präsentiert von Pater Olav Hamelijnck, von Benno Hüer am Flügel begleitet und trefflich dargestellt von Franz-Josef Hanneken. Die Geschichte handelt von den allzu menschlichen Nöten eines Wirtshausgastes und den Sorgen um den vermeintlichen Diebstahl seines „schönsten Paletots“, die zuerst zu flatulösem Magenzwacken führt, dann gar…: „Das Malheur kommt vorher – Hab den Gang nicht nötig mehr. –
Texte und Gedanken wie Kästners „Im Auto über Land“, „Mutterns Hände“ (Tucholsky), Eichendorffs „Mondnacht“ und Auszüge aus „Schissomirs großer Tag“, einer der humor- und geistvollen Erzählungen aus Siegfried Lenz’ „So zärtlich war Suleyken“, rundeten das insgesamt stimmige und stimmlich gelungene Programm ab. In der Technik: Helmut Amshove und Matthias Escher in bewährter Vollkommenheit. Die voll besetzte Aula des Gymnasiums hat’s den Akteuren sehr gedankt.                                                  Johannes Leifeld